Ein Stacheldraht, oder eine Mauer; irgendein Hindernis, das unüberwindbar scheint. Auf der einen Seite der Junge, auf der anderen das Mädchen; sie sind ineinander verliebt.
Ein Soldat, ein Wächter,
erscheint in einer farbigen Phantasieuniform mit vielen goldenen Schnüren
und einer geflügelten Mütze. Er reißt die Grenzen nieder,
mit einer Axt oder etwas anderem, je nachdem, wie die Grenze beschaffen
ist.
Der Junge und das Mädchen laufen aufeinander zu und fallen einander in die Arme.
Endlich sind sie vereint
und glücklich.
Der Grenzposten schaut mit
wissendem, schmerzlichen Lächeln zu ihnen, und weit hinten erblüht
ein großes Feuer – wie eine schöne, unbekannte Blume.
In einem dunkeln, kleinen
Gefängnis, vielleicht einem Karzer in irgendeiner prähistorischen
Schule, kauert ein Junge am Boden. Der einzige, dünne Lichtstrahl,
der einfällt, trifft seine wilden, liebenden Augen.
In die Wände versucht
er mit seinen Fingernägeln Blumen zu ritzen. In sich selber ist er
nackt und will aus sich ausbrechen. Er will die Mauern niederreißen
und hämmert mit seinen kleinen, zerschundenen Fäusten dagegen.
Da plötzlich bersten
die Mauern. Um ihn herum wirbeln tausende von Blumen, die sind wie leuchtende
Gedanken und Gefühle und Ideen.
Dann reißt ihn ein
dumpfes Grollen zurück in die Wirklichkeit. Vor ihm steht der Schuldiener,
der ihm die Tür aufgemacht hat. Dahinter sind keine Blumen...
Ein junger Prinz, vielleicht
auch ein Student, lehnt sich mit der Hand an einer Wand an. „Ich bin über
mich selbst hinausgewachsen, erfuhr mich selbst noch mehr, und es hört
nie auf.“
In der Ferne stehen die uralten
Wolkenkratzer von Metropolis, zerfressene Stahlgerippe, um die herum sich
ein Netzwerk von Rosen höher und höher rankt.
Wer kümmert sich um
sie?
Ein Berg von Papier, der
wächst und wächst.
Der Schriftsteller, der gar
nicht mehr nachkommt mit dem Schreiben, soviel Papier sammelt sich um seinen
Schreibtisch an.
Alles ist beschrieben, die
Buchstaben sind geführt in seiner Handschrift.
„Ich baue mir neue Grenzen.“
Die Sterne am Himmel, unendlich
weit voneinander entfernt, unendlich weit sich fortsetzend bis in alle
Ewigkeit.
„Meine Gedanken sind wie
Raumschiffe aus Feuer oder Eis. Und sie stoßen an Grenzen, an ihre
Grenzen.“
Am Himmel stehen auch Blumen.