C
a f é A t l a n t i k
-
ein Text von Theophil Marder -
Endlich
mal unter anderen ... Verrückten.
Ja,
die armen Tierchen haben’s schwer sich zu paaren, aber
bunte Zeichen werden
hilfreiche Komplizen sein, die Kommunikation in Gange
zu bringen. Hier
treibt sich also das Gesocks herum, die Füllung
des Pralineneis, die
Touristenbusse kreisen, gleich Monden um Planeten –
irren suchend in immer
wieder elliptischen Bahnen. Diese wunderbare
Orientierungslosigkeit ...
Die
Hoffnung, daß noch etwas von der
Indien-Bräunungs-Lebenserfahrung-Weisheit-Message
in sich ist, um gleich das nächste Loch zu
besteigen. Kreuzberg (das
Sterbende) ist wunderbar bunt, endlich muß man
beim Konsumieren
kein Schuldbewußtsein haben. Ja, jetzt beginnen
kreative Zeiten,
ich beobachte und schreibe, Zwischenstationen
vermeidend, von Café
zu Café einer wundervollen Welt entgegen,
schreibend, schweigend,
schreitend, schwebend, abhebend, fliegend, sich
auflösend, immer dünner
werdend, ach es ist so leicht, nur noch
Körpergewicht tragen zu müssen,
alle Lasten über Bord geworfen. Gefühl in
grellen Farben, lilanes,
strahlendes Pink, fühlend, empfindet der 6. Sinn.
Das
Kobaltblau der 20er Jahre, strenge Ruhe,
allmächtige Wahrheit niemals
berührt, die gebärende Jungfrau in Blau,
gehüllt ins glitzernde
Abendkleid, die Cocktailparty im Stall des
Jahrtausends, der Faltenwurf
bis knapp unter die Knie, wie der Horizont über
dem Altar einer bayerischen
Wallfahrtskirche.
Das
Gelbschimmern, Mystikseparée mit Blutrot, oh
Ganges, wallendes Wasser,
verottende Ochsen, Gestank und Weihen, strahlendes
Ocker der Steine, auf
denen die Touristen sitzen. Leider reicht es ja
heutzutage nicht, eine
Meinung zu haben, man muß vor allem schön
und interessant sein
und belegen können, von wem man geklaut hat.
Dieses
nette Freulein mit selbstbestricktem Pullover mit dem
schon etwas verwaschenen
Pink und dem dazu herb kontrastierenden Beige sei hier
besonders pädagogisch
bedacht. Neben mir rechts zwei Münchner Dialekt
sprechende Männer,
ich fühl‘ mich wie zu Haus. 6 Fingerringe
groß mit Teufelchenmotiven.
Es gibt nichts Erfrischenderes als in einem
Heterocafé zu sitzen
und Tunten und Heimchen zu beobachten.
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