DAS SYMPOSION/BACCHANALDER FRIEDRICHSHAINER SCHULE
EINLEITUNGSMOTTO:"MY SWEETHEART, YOU ARE A MYSTERY TO ME,
SO I LOVE YOU ..."- Yama Shimamoto
TINTIN QUARANTINIO:
"Die Postmoderne begann und verging - es folgte das Informationszeitalter, inzwischen leben wir längst im Hyperinformativismus. Duran Duran äußerten sich 1992 zu diesem Zustand mit ihrem Diskussionsbeitrag "Too Much Information" . Ein ZUVIEL an Information ist jedoch aus der Warte des Hyperinformativismus gar nicht möglich ...Die Friedrichshainer Schule findet ihre ersten Ansätze bei Sokrates, Buddha und Jesus - und fährt später fort mit Nietzsche, Foucault, Adorno. Sie versteht sich in diesen Traditionen als idealistisch und transzendentalistisch, sie steht in Opposition zur Welt reeller Erfahrungswerte, wie sie eingegrenzt wird von den positivistischen Wissenschaften. Die Dichotomie zwischen dem Idealismus des intuitiven Denkens und der materiellen Sensationslust besteht allerdings nur in historisch bedingten Vorurteilen und ist keineswegs das Resultat einer philosophischen Analyse.
Tugend ist ein klarer und eindeutiger Auftrag und keine Zierde. Die Übung der richtigen Handlungen stellt die einzige Möglichkeit dar, um wirklich tugendhaft zu werden ...
Die Repräsentanten der Friedrichshainer Schule sind ein überwiegend fiktiver Zirkel, dessen Anteil an real-existenten Personen ständig wächst. Sie stilisieren sich in Gestalt immenser intellektueller Respektierlichkeit, so daß ihre Gedankenwelten und Laufbahnen als Modelle dienen könnten für diejenigen, welche sich der Arroganz des modernen wissenschaftlichen Ansatzes vehement entgegenstellen .
Sokrates hat Recht. Er hat Recht nicht nur im fünften Jahrhundert vor Christus, sondern in allen Zeiten und an allen Orten, wenn er auf dem Dach steht und erklärt, daß die erste Weisheit des Menschen nicht darin besteht, die Sterne zu erforschen oder Staub und Luft zu untersuchen, sondern darin, sich selbst zu erkennen und in der Breite und Tiefe dieser Bedeutung zu verstehen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, und nicht Schwein oder Gott."
BÜNÉ HORGANG:
"Animalisch und überirdisch - beides das ist der Mensch in einem, und doch keins von beidem, und er mag sich nicht mehr Big Brother oder Grand-Prix-Vorentscheidungen ansehen. Wir brauchen einen neuen Loriot, mehr als alles andere, evtl. auch einen neuen Arno Schmidt ... Und wenn wir schon dabei sind ..."
TINTIN QUARANTINIO:
"Die Kultivierung eines einwandfreien Charakters ist eine wichtigere Aufgabe für das Bildungswesen als Kinder auf die Funktion zu konditionieren, Geld zu erwirtschaften oder die Technologien voranzutreiben. Das akkumulierte Wissen der Menschheit in seiner Gesamtheit ist eine nicht länger konkrete Größe für das Individuum - daher ist es nur noch möglich, fragmentarische Aspekte von Wissenszweigen zu kennen. Die Quintessenz des Hyperinformativismus liegt darin, den Leuten beizubringen, auf welche Art und Weise sie sich mit den Informationen versorgen können, die sie wirklich benötigen. Des weiteren ist es viel gravierender, daß Kinder lernen, wofür sie sich interessieren, und warum. Mit anderen Worten: Was Vernunft ist, ist für sie nicht so interessant, stattdessen wollen sie wissen, wie sie sich selber kennenlernen können und was sie alles sein können."
BÜNÉ HORGANG:
"Man kann ihnen das sicherlich auch durch härtere Gangarten einbleuen. Kinder mögen es hart, solange es nicht bitterer wird als sie auch wirklich wollen."
TINTIN QUARANTINIO:
"Die Friedrichshainer Schule symbolisiert die Vorherrschaft der ewigen einwandfreien Wahrheiten über:
i)
die Instanzen des Raffens und des Verschleuderns,ii)
Materie und Geschwindigkeit,iii)
die Mechanik darwinistischer Manipulation durch elaborierte Politikzirkel,iv)
Schmalspur-Hetzjagden auf derangiert empfindende Liebende ...v)
die sieben Todsündenvi)
besonders jedoch den Alkoholismus, eine auf dem Kontinent Europa verbreitete Unsitte, die den Sinnverlust kompensieren sollte, welcher der Abschaffung der Götterwelt durch Marx und Darwin folgte, leider aber das Gehirn dabei in die Irre führte ...
TURMALIN WINTERFELDT:
"Die Friedrichshainer Schule bekennt sich zum stillschweigenden Einvernehmen zwischen Bottom und Top, zwischen dem Verehrer und dem Verehrten. Die interessantesten Gebiete der Sexualität liegen zwischen den Definitionen. Die gesamte Industrie ist ausbeuterisch - nicht nur die Pornoindustrie. Unsere Repräsentanten favorisieren die femininen Aspekte der Sexualität. Unsere Repräsentanten favorisieren die maskulinen Aspekte der Sexualität. Unsere Repräsentanten verachten die Scheinheiligkeit der Zensur. Zwischen der Sexualität des erwachsenen Menschen und all seinen zufälligen Erfahrungen in seiner Kindheit besteht ein immanenter Zusammenhang. Zwischen Kunst und Pornographie gibt es keine Trennlinie. Das Jugendschutzalter muß auf vierzehn Jahre heruntergesetzt werden."
BÜNÉ HORGANG:
"Zwischen Ernst und Humor gibt es keine Trennlinie. Etwas Sinnvolles zu tun, ist sinnlos geworden in dieser Welt. Manch unflexibler und altmodischer Diskutant findet dies unseriös - doch ist es in Wirklichkeit ein sehr seriöses Verhalten, wie auch das Tragen eines Octoupées auf dem Kopfe, welches Ihnen freundlich mit einem seiner Fangarme zuwinkt - der neueste Schrei ... "
TINTIN QUARANTINIO:
"Die Friedrichshainer Schule sieht sich als unorthodoxer Gegner der Heuchelei. Sie tritt ein für ein Leben im Einklang mit dem ehrlichen Empfinden transgressiver Wahrheiten. Sie konstituiert sich aus Idealisten und Transzendentalisten, die ein Maß an Rationalität mit dem Modus des spiritualistischen Fanatismus verbinden. Die Friedrichshainer Schule ist daher eher die Schule eines intuitiven und subjektiven Denkens als die des wissenschaftlichen Denkens.
Sokrates (in etwa), wie folgt:"Lerne dich selbst kennen: Was bist du wirklich und was hast du wirklich? Streife ab die edlen und coolen Gewänder, die du dir borgtest für dein Denken. Die Kategorien und Formeln und vorgefertigten Urteile, welche du übernommen hast und an die du mit ungebrochener Intensität glaubst (egal, für wie weit fortgeschritten du dich hältst), verhindern nur, daß du die Wirklichkeit deines Daseins und die des Universums tatsächlich berührst."
TINTIN QUARANTINIO:
"Die Maxime der Friedrichshainer Schule ist die der heißen und innigen - essentiell als Gebetsmaterie & Aufstiegsenergie ausgelegten - Reformation in Ablehnung des Positivismus und der Naturwissenschaft."
TURMALIN WINTERFELDT:
"Das Ambiente unseres Sprachstils ist das von Spitzenvorhängen an den Wänden und dunkelblauen Seidentischdecken auf kleinen runden Tischen ...Das Ambiente unserer Wörter ist das von lilafarbenem Samtbehang an der Fenster-Innenseite sowie eines umgedrehten Kronleuchters, der mit weißen schmalen Krepp-Papier-Streifen behängt ist. Dazu Weintrauben und Orangen aus Plastik, darin hineingesteckt elektrische Lichterketten.
Am Garderobenständer der gesprochenen Sätze hängt der künstliche Kopf eines Menschen, und eine Kaskade befördert plätscherndes Wasser an der Innenwand herunter in ein kleines Bächlein, das wieder in der Wand verschwindet, zum Klang des Dschungels und der Paradiesvögel ..."
BÜNÉ HORGANG:
"Wittgenstein, ich sage es noch einmal: Wittgenstein - .... "
TINTIN QUARANTINIO:
"Als Verkörperung von nach Freiheit strebenden Individuen, die sich aus dem Kontext des sie versklavenden Industrialismus lösen wollen, welcher sich in den letzten Jahrhunderten über alle Bereiche des Lebens ausgeweitet hat - blieben (Konjunktiv) nur drei Formen der Freiheit:
i)
eine absolute Freiheit im Innern - doch jener Expressionismus der Seele steht für Publikumsferne und Unverständlichkeit im reellen Miteinander - .... , die Freiheit im Undefinierten, jedoch ständig angegriffen durch Versuche ratloser Mitternachts-Feuilletonisten, die das Individuum einkreisen und einordnen wollen. Die Freiheit, sich nicht ständig sich erklären zu müssen, damit vielleicht einer käme und dir eine Funktion im System zuordnen könne oder dir den Briefkasten anzünde. Eine subjektive Traumwelt, die bei Adorno gleichzeitige objektive Unfreiheit repräsentiert.ii)
die Traumwelt der Unschuld. Die Freiheit, nicht etwa durch eine Verschwörung finsterer Kräfte in der Straßenbahn anderen dir bös wollenden Subjekten ausgesetzt zu sein, sondern durch Zauberspiel der Elemente mit Fremden bunt zusammengewürfelt worden zu sein, um ihnen unbekümmert und unbefangen begegnen zu können ... Die Freiheit in der Rückkehr zum Spielerischen - zu den Situationen, in denen sich Wahrnehmung verändert, sprich befreit. Zuviel Selbstreflexion überfordert das Subjekt - der Mensch ist auch nicht als Erwachsener zur Welt gekommen. Er schafft und erkennt seine Umgebung im spielerischen Umgang mit derselbigen. Lachen ist kein Verbrechen, es darf und will in jeder Sekunde Wirklichkeit bleiben und nicht nur in der Traumwelt existiereniii)
intuitiv-spekulative Traumweltenfreiheit im Pomp der drei Spielwiesen Bildung, Kunst und Kultur - als Erschaffung kontra-reeller Wirklichkeiten gegen die bösartigen Elemente der Verdummung, mit denen das gesellschaftliche System der Seele ein Ventil für ihren Freiheits- und Sinnverlust liefert: Sport, Natur und Amusement ... Solch anti-individualistische Bewegungen wie Wandern und Tanzen zu verachten, macht allerdings ebenfalls einsam.
TURMALIN WINTERFELDT:
"Soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz sind die Schlüsselbegriffe. Wie können wir uns miteinander begeistern und uns mitreißen und zu Höchstleistungen bringen? Der Zuschauer ist sich seines Stellenwertes als Miterschaffer des Kunstwerks bewußt. Seine Disziplin besteht in der Eigenverantwortung seiner Intelligenz im kreativen Diskurs. Wie verbessern wir die Kultur, wie besprechen wir die entscheidenden Details, wie hören und reagieren wir aufeinander? Sind unsere Augen gleichbleibend leuchtend? Wie kann unser Fundamentalismus, unsere hohe Abstraktion des Daseins, eine Entsprechung finden im Konkreten Verwirrspiel dieser Zivilisation, das die Seele zermürbt und auslaugt? Wie ändern wir die Welt? Gibt es die Möglichkeit, all die wundervollen Ideale und hehren Ziele im harten Alltagsdasein einzusetzen, ohne daß dich einer für verrückt erklärt?"
BÜNÉ HORGANG:
"Charles Dickens ist der wichtigste Schriftsteller unserer Zeit - kein anderer schildert unser Elend des Reichtums und unseren Glanz der Armut wie er."
TURMALIN WINTERFELDT:
"WORD CREATION MOVEMENT heißt ein kleiner ebenfalls abstrakter Nebenzweig der Friedrichshainer Schule, der sich um die Erschaffung neuer Wörter dreht. Eine Abkürzung besteht darin, einfach die lateinischen Endungen der Fremdwörter zu ändern, d.h. die Wörter, die z.B. mit -logisch enden, stattdessen mit -sophisch enden zu lassen. Hier erschließen sich innovative Schlüsselwerte, und es öffnen sich die Doppeltüren des Horizontes, um die in seiner Gruft die gefangenen Erfahrungen zu befreien ... "
BÜNÉ HORGANG:
"Ein neues Wort ist wie eine neue Liebe, und eine neue Liebe ist wie ..."
TINTIN QUARANTINIO:
"Es sind die Parallelen zwischen Glauben und Philosophie unübersehbar (beidem mangelt es an empirischem Fundament und dramaturgischer Effizienz). Nicht länger jedoch geht es um Theismen irgendwelcher Art, sondern um eine tatsächliche Verinnerlichung Wittgensteins. Sein Tractatus Logicus-Philosophicus, der vom Leser eine Rationalität verlangt, die weit über das Maß konventionsbehafteter Alltagswelten hinausreicht, weckt per intuitivem Verstehen einen Glauben, der alle Religion transzendiert (dies auch im Sinne von Marx, bei dem Religion nur noch die Funktion des "notwendig falschen Bewußtseins" darstellt).
Eine Transformation unserer okzidentalen Kultur auf der Grundlage jener wittgensteinschen, spirituellen Evolution steht weiterhin unmittelbar bevor."
DAS SYMPOSION DER FRIEDRICHSHAINER SCHULE IST EIN SICH KONSTANT WANDELNDER PROZESS.
- FLUIDUM WIE SYMBOLISCHES TRINKGELAGE.ES WIRD IN UNREGELMÄSSIGEN ABSTÄNDEN UM NEUE DISKUSSIONSTHEMEN UND BEITRÄGE NEUER MITGLIEDER DER FRIEDRICHSHAINER SCHULE ERGÄNZT WERDEN.
FACHBEZOGENE BEITRÄGE ZUM DISKURS SIND AUSDRÜCKLICH ERWÜNSCHT.
EINSENDUNGEN UND WORTMELDUNGEN BITTEN WIR ZU RICHTEN AN:
SYMPOSION DER FRIEDRICHSHAINER SCHULE
c/o DANIEL EMERSON ALDRIDGE
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