IM WOWEREIZ

(Januar 2003)


 

Als ich das Wowereiz in der Friedrichshainer Wühlischstraße betrat, guckte die blondierte Thekenkraft nur kurz und desinteressiert von ihrem privaten Telefonat auf.

Im Lokal, welches mit verschieden gemusterten Plüschstoffen und einigen belanglosen Nippes-Acessoires ausgestattet ist, befand sich um kurz nach Elf an diesem milden Donnerstag Abend vor knapp einer Woche kein Gast. Für mich als Klosteingeschmackstester bedeutet diese geschäftliche Flaute natürlich eine erhebliche Arbeitserleichterung. Keiner stört mich auf dem Klo.

Die Toiletten sind wie üblich von einem kleinem Vorraum vom eigentlichen Schankraum abgetrennt. Die Herrenabteilung erstaunt durch ihre räumliche Großzügigkeit, was durch das integrierte Behindertenklo bedingt ist. Aber die nüchterne Klarheit und Kahlheit der weißglänzenden Fliesen irritiert das Auge durch den Kontrast zum Plüsch an der Bar. Letztendlich wird hier eine Lieblosigkeit der Macher des Wowereiz offenbar, die vielleicht auch der Grund für das Ausbleiben der Gäste ist.

In einer schattigen Ecke befinden sich die zwei Urinale - ideal für einen Genitalvergleich, wenn denn ein anderer Herr da wäre. In den Becken liegt je ein gelber Würfel, nicht mehr ganz frisch. Ich nehme einen heraus, pflücke die lästigen Schamhaare weg und nehme ihn in den Mund. Ah ! - genau die richtige Größe zum Lutschen. Ein leichtes Prickeln auf der Zunge ist Zeichen für den Auflösungsprozeß des Klosteins. Und der optische Schein trügt nicht: Die Geschmacksrichtung ist Zitrone. Damit fällt das Wowereiz in puncto Klosteine nicht aus dem Rahmen des Üblichen. Zurückgegriffen wurde auf einen gängigen Klassiker, der gut im Mund zergeht, aber nicht zu schnell, und eine erfrischende Geschmacksrichtung hat.

Das Ambiente allerdings läßt doch sehr zu wünschen übrig. Deshalb kann ich hier nur eine gute Vier vergeben. Das Wowereiz befindet sich in der Wühlischstraße 30, täglich von 19.00 bis 05.00 Uhr geöffnet. Toilette links hinten.

 
 
 
 
 

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Stand: 6. Dezember 2003