Als ich das Wowereiz in der
Friedrichshainer Wühlischstraße betrat,
guckte die blondierte Thekenkraft nur kurz und
desinteressiert von ihrem privaten Telefonat auf.
Im Lokal, welches mit verschieden
gemusterten Plüschstoffen und einigen
belanglosen Nippes-Acessoires ausgestattet ist,
befand sich um kurz nach Elf an diesem milden
Donnerstag Abend vor knapp einer Woche kein Gast.
Für mich als Klosteingeschmackstester
bedeutet diese geschäftliche Flaute
natürlich eine erhebliche
Arbeitserleichterung. Keiner stört mich auf
dem Klo.
Die Toiletten sind wie üblich
von einem kleinem Vorraum vom eigentlichen
Schankraum abgetrennt. Die Herrenabteilung
erstaunt durch ihre räumliche
Großzügigkeit, was durch das
integrierte Behindertenklo bedingt ist. Aber die
nüchterne Klarheit und Kahlheit der
weißglänzenden Fliesen irritiert das
Auge durch den Kontrast zum Plüsch an der
Bar. Letztendlich wird hier eine Lieblosigkeit der
Macher des Wowereiz offenbar, die vielleicht auch
der Grund für das Ausbleiben der Gäste
ist.
In einer schattigen Ecke befinden
sich die zwei Urinale - ideal für einen
Genitalvergleich, wenn denn ein anderer Herr da
wäre. In den Becken liegt je ein gelber
Würfel, nicht mehr ganz frisch. Ich nehme
einen heraus, pflücke die lästigen
Schamhaare weg und nehme ihn in den Mund. Ah ! -
genau die richtige Größe zum Lutschen.
Ein leichtes Prickeln auf der Zunge ist Zeichen
für den Auflösungsprozeß des
Klosteins. Und der optische Schein trügt
nicht: Die Geschmacksrichtung ist Zitrone. Damit
fällt das Wowereiz in puncto Klosteine nicht
aus dem Rahmen des Üblichen.
Zurückgegriffen wurde auf einen gängigen
Klassiker, der gut im Mund zergeht, aber nicht zu
schnell, und eine erfrischende Geschmacksrichtung
hat.
Das Ambiente allerdings
läßt doch sehr zu wünschen
übrig. Deshalb kann ich hier nur eine gute
Vier vergeben. Das Wowereiz befindet sich in der
Wühlischstraße 30, täglich von
19.00 bis 05.00 Uhr geöffnet. Toilette links
hinten.