W U J I 
- The Promise



 
 
 
 
 

Der dritte Wettbewerbsfilm, den ich gesehen habe, ist ein höchst unwahrscheinlicher Kandidat für den Goldenen Bären, der Martial-Arts-Streifen WUJI – The Promise aus Hong Kong. „Das Versprechen“, so hieß, wenn ich mich entsinne, auch der Berlinale-Eröffnungsfilm von 1995, nur war dieser von Margarete von Trotta und noch dazu mein allererster Film auf meiner allerersten Berlinale. Es kommt mir vor, als ob es gestern gewesen wäre: Ein Ball flog über die Berliner Mauer und wurde – wie durch Zauberhand - wieder zurückgeworfen ... Aber zurück zu WUJI – eine seltsame Mischung aus „Hero“, „Der Kaiser und sein Attentäter“, „Der Herr der Ringe“ und den Star-Wars-Episoden I-III .

Halt Moment, vom Regisseur Chen Kaige stammt ja „Der Kaiser und sein Attentäter“ !
 

Aus einem bestimmten Grunde, den ich später erwähnen werde, folgt nun anstelle einer Kritik eher eine Art Inhaltsangabe einschließlich Schluß:

Auf einem mit Leichen übersäten Schlachtfeld wäscht ein Mädchen die Toten. Sie wird von einem älteren Jungen gefangen genommen, der sie für ein paar Brocken Essen zu seiner Sklavin machen möchte. Das Mädchen tut so, als ob sie damit einverstanden ist, rennt jedoch bei der nächsten Gelegenheit weg. Der Junge ruft ihr hinterher: „Du hast mich betrogen! Ich habe dir geglaubt!“ Zutiefst verletzt und enttäuscht bleibt er zurück. Auf ihrer Flucht begegnet sie einer wunderschönen Zauberin, die aus der Luft herabschwebt. „Möchtest du eine Prinzessin werden, der die Männer einmal zu Füßen liegen werden?“, fragt sie. „Doch der Preis ist hoch: Du wirst niemals eine glückliche Liebe erfahren.“ Trotzdem willigt das Mädchen in den Handel ein.

Jahre vergehen. Die Kamera fliegt über tolkieneske Fantasielandkarten. Auf einem Schlachtfeld bereitet sich ein General auf die Entscheidungsschlacht vor und zieht seinen prächtigen Brustpanzer an. Der Gegner ist übermächtig. Erst die unglaubliche Geschwindigkeit eines jungen Sklaven, dem es gelingt, mit knappem Vorsprung ständig vor der angreifenden Todesbüffelherde des Gegners zu bleiben und diese durch ein hufeisenförmiges Tal zurück in Richtung gegnerische Armee zu führen, sichert den verloren geglaubten Sieg. Diese per Computeranimation erzeugte rasante Szene ist schon so hinreißend übertrieben, daß ich mir den Rest des Filmes auch noch gerne gebe, obwohl ich nicht erwartet hätte, einen solchen Fantasyschinken im Wettbewerb der Berlinale zu sehen.

Noch in derselben Nacht wird der General zurück zu seinem König befohlen, dessen Palast von Feinden belagert ist. Der treue Sklave ist der einzige, der ihn auf dem Rückweg begleiten soll. Doch schon bald werden die Männer getrennt. In der Nacht erscheint dem General die schöne Zauberin. Sie warnt ihn davor, in die Stadt zurückzukehren, und weissagt, dass ein Mann in der Rüstung des Generals seinen König töten wird. Kurz darauf wird der Feldherr von einem geheimnisvollen, in ein schwarzes Federkleid gehüllten Attentäter angefallen und schwer verletzt. Der Sklave findet seinen Herrn und verspricht, sich in der Rüstung seines Herrn in die belagerte Stadt durchzuschlagen. Dort hat der König gerade dem Anführer der Belagerer die Prinzessin als Preis für die Freiheit angeboten …

Und das ist erst der Anfang des Films!

Ein schwieriger Fall, dieser hyperkünstliche Film! Die Charaktere in der Geschichte sind immerhin interessant, auch die teilweise sehr melodramatischen Entwicklungen sind äußerst lustig. Im Gegensatz zu STAR WARS, so könnte man es kurz zusammenfassen, ist Darth Vader hier der Bruder von Luke Skywalker und nicht der Vater, und der Imperator ist ein äußerst attraktiver junger Mann, der sich ebenfalls in die Prinzessin verliebt hat. Über die Gründe, warum ich anstelle einer Kritik eine Art Inhaltsangabe einschließlich Schluß folgen lasse, wißt Ihr ja mittlerweile Bescheid.

Zum Schluß bringen sich alle Helden gegenseitig um. Der richtige Held, der Sklave also, streift, tödlich verwundet, am Schluß das schwarze Federgewand des toten Bruders über, mit dem er „schneller als die Zeit“ fliegen kann und bringt die Prinzessin an den Ausgangspunkt der Geschichte zurück, so daß sich das kleine Mädchen noch ein zweites Mal entscheiden kann, ob sie den Weg wirklich gehen will, der so vielen Männern Unglück bringen wird. Wird sich der ganze Film nun noch ein zweites Mal wiederholen?

Doch der kleine Star-Trek-Clou kommt zu spät, denn während des letzten entscheidenden Kampfes ist jeder Zuschauer eingeschlafen ...