Herzlich Willkommen,
liebe Zuhörer, liebe
Jungs und Mädchen, hochverehrte
Ultrakurzwellen, digitale Kabelsignale und
stereophonische Endstufen.
Ihr
habt euch sicher alle schon einmal gefragt,
was das Ganze eigentlich soll. Da sitzt ihr
nun beständig alle zwei Wochen am
Sonntag um 19.00 Uhr gespannt da und lauscht
dieser abwegigen Musik und vernehmt
absonderliche Kommentare und Thesen von
anscheinend völlig unbedeutenden
Personen, die behaupten, dass sie nichts zu
sagen hätten, die sich aber
ständig äußern zu allem
Möglichen, was nun echt nicht wichtig
oder vernehmenswert erscheint.
Einige
von Euch sind entsetzt über die Form
des Ausdrucks, registrieren die unglaubliche
Fülle an technischem Missgeschick und
verbalen Peinlichkeiten und erachten die
Musikauswahl als völlig geschmacklos,
die keinerlei eigenen
Gesetzmäßigkeiten zu folgen
scheint außer einer einzigen,
nämlich, dass die Namen aller Acts
irgendwie mit „sch“ anfangen.
Und dabei fragt ihr euch
sicherlich, warum sich das nun einer antun
müsste. Nun, verehrte Zuhörer,
liebe Radiogeräte, damit habt ihr
zumindest schon begonnen, den
SCHLAMPENREPORT in euer
unternehmungslustiges Herz zu
schließen. Ein kleiner vom Design her
schlichter Flyer (dem manchen von euch
vielleicht kürzlich per notlandendem
Luftballon zugeweht oder auf dem
Straßenfest am Nollendorfplatz von
einem verwegen aussehenden Jüngling,
Anfang 40, überreicht) bringt es auf
den Punkt: SCHLAMPENREPORT, die Radioshow
für Dichter, Strolche, Irre und
Philosophen. Vor allem jedoch ist der
SCHLAMPENREPORT die Sendung, die ihren Namen
nicht im Entferntesten zu nennen gedenkt ...
Die
Strukturlosigkeit der Form ist PROGRAMM,
ebenso der unkonventionelle Sprechstil des
Radiomoderators und Sendeverantwortlichen.
Auch, dass diesem manchmal die
Souveränität fehlt, mit
wortgewaltigen Talkgästen wie dem
häufig anwesenden Gaststar und
real-existierenden Kunstkurator Spunk Seipel
fertig zu werden, stellt einen
entscheidenden Bestandteil der Sendung dar.
Es steht vielmehr das Ringen um die Sprache
selber im Vordergrund – ein Herstellen von
neuen Zusammenhängen durch
absichtliches Aneinander-Vorbei-Reden.
Das
ganze Gerede à la „Der
Schlampenreport zöge die Themen der
Zeit durch den Kakao“ ist
übrigens irreführend. Der
Zeitgeist ist schließlich bloß
das Surrogat, das man konsumiert, wenn man
selber an den eigentlichen
Mikro-Entwicklungen und Veränderungen
der Zeit nicht mehr teilnimmt, also da, wo
es hart auf hart geht. Somit sind auch die
Themen im Schlampenreport mal von
allgemeiner Bedeutung, mal von unendlich
spezifischer Sachlichkeit, über die
kein Mensch mehr Bescheid weiß
außer den Moderatoren und einem
kleinen Kreis von informierten Personen.
Noch zwei kleine Anmerkungen am Schluss:
Der
SCHLAMPENREPORT wurde dereinst in einigen
Magazinen fälschlicherweise als Radio
Knackpunkt – Schlampenreport
angekündigt - dies ist falsch. Der
Schlampenreport hat nichts mit der Sendung
zu tun, die inzwischen QueerLive
heißt und jeden Sonntag um 15.00 Uhr
auf ALEX ausgestrahlt wird, ebensowenig mit
anderen schwullesbischen Programmen wie Radio
Tuntland, Pride Radio, Rainbow City
oder Transgenderradio.
Es handelt sich beim
Schlampenreport, wie gesagt, um eine Sendung
mit ihren eigenen Qualitäten fern von
politisch-kulturellem Anspruch oder
drögem Infotainmentmagazinstil ...
Was
die Musikauswahl betrifft, da ist unser
Musikredakteur DJ Kai Piranha – im
übrigen ein weiteres fiktives Ich des
Hauptaktivisten Daniel Emerson Aldridge -
derzeit am Erarbeiten eines neuen Konzepts.
Aufgrund heftiger Proteste hatte er vor
einigen Monaten sich aus unserer Redaktion
verabschiedet, seitdem spiele ich Musik aus
meiner eigenen Sammlung, jedoch wurde DJ Kai
Piranha zugesteckt, dass ich ihn
sehnsüchtig vermisse, und er stellt
bereits ein neuartiges Musikkonzept
zusammen, bei dem u.a. die Werke von
Heinrich Schlusnus, Elisabeth Schwarzkopf,
Elisabeth Schumann, Shakatak, Schorsch
Kamerun und Sheila B. and Devotion im
Vordergrund stehen werden, sowie
natürlich von Howard Jones, der ja erst
vor geraumer Zeit als Vocal Act bei Kill
Switch Engage mitwirkte.
Doch
schwirrt mir schon der Kopf von der wilden
Fahrt durch diese Worte in eigener Sache.
Gerade hörten wir den ewigen
Jüngling Tim Burgess aus Salford, Greater
Manchester, England (auch Sänger der
"Charlatans") mit „Boy“, vernehmen wir nun
Cora Frost, eine Chansonsängerin, die ja
auch schon des Öfteren als Schlampe
tituliert wurde, mit einem meiner
Lieblingslieder, "13 Jahr".