WIEN

(Juni 2003)


 
Die Bahnhofstoilette war jahrzehntelang der Klassiker unter den Öffentlichen Anbahnungsinstituten. Hier konnte man meist völlig ungestört nette Herren für die schnelle Nummer kennenlernen, bevor man mit der Vorortbahn zurück zu Frau und Kindern fuhr. Und verdächtig war ja nun wirklich nichts daran, wenn man mal eben auf dem Bahnhof die Bedürfnisanstalt besuchte.

Nun, leider hat man diese wundervolle Einrichtung in Berlin und anderswo zugunsten von "Servicecentern rund um's Pinkeln" ersetzt, was zur Folge hat, dass man zum einem sehr viel Geld für ein natürliches Bedürfnis loswerden kann, zum anderen nun auch eine soziale Kontrolle durch die Reingungsleute besteht.

Ganz anders in Wien.

Hier gehen die Leute noch arbeiten und zahlen so viel Steuern, dass sich die grösste Kommune unseres südlichen Nachbarlandes noch zahlreiche Öffentliche Aborte leisten kann und auch die Österreichische Bahn bietet ihren Kunden und Besuchern die Möglichkeit, ohne den Geldbeutel zücken zu müssen, ihre Blase zu entleeren.

Keine Frage, wie Ihr Klosteinreporter seinen Kurzaufenthalt in Wien verbracht hatte. Als absoluten Höhepunkt kann ich nun nach intensiven Recherchen Ihnen die Toilette am Westbahnhof empfehlen. Diese ist ein absolutes Muss für Klosteinliebhaber, die sich gerne mal etwas besonderes auf der Zunge zergehen lassen wollen. Denn hier pinkelt der Mann in Urinale mit Zitronenscheiben. 

Nachteile dieser Exklusivität sind, dass man mit seinem Urinstrahl nicht die Klosteine formen kann oder gar ganz zersetzen kann. Dafür ist der Geschmack von Zitrone gemischt mit Pisse etwas ganz besonderes, und vor allem sind die Abendstunden zu empfehlen, wenn schon hunderte von Männern auf die Scheiben urininiert haben.

Für diese Spezialität geben wir der Klappe am Westbahnhof und Wien insgesamt 49 von möglichen 50 Punkten.

 

back to the duftsteinfront overview



Stand: 16. Mai 2005