VENEDIG

(September 2003)


 

Wie werde ich reich und berühmt?

Eine Frage, die uns alle öfter beschäftigt als uns lieb ist. Dabei wollen wir, wenn wir die Wahl haben, lieber reich als berühmt sein, denn der Ruhm hat ja auch negative Seiten. Man kann z.B. nicht mehr ungestört auf Toiletten seine Lieblingsdrops lutschen.

In der Kunstszene kann man aber berühmt sein und trotzdem kennt kein Mensch auf der Straße einen und auf öffentlichen Toiletten erst recht nicht. Nun gibt es in der Kunstszene feste Fixpunkte, dort muß man hinfahren, wenn man eines Tages als Malerfürst anerkannt sein will. So ein Datum ist alle zwei Jahre die Biennale in Venedig. Dort trifft sich zur Eröffnung alles, was Rang und Namen hat und vor allem die, die dies gern hätten.

Am beliebtesten sind natürlich die Gärten mit den Länderpavillons, weil es sich hier im Schatten der Bäume besser flanieren läßt und man die mittelmäßige Kunst so besser verdauen kann. Aber auch hier haben die Menschen hin und wieder ein akutes biologisches Problem, das es diskret zu lösen gilt. Doch die Italiener, bekannt für Eis und Tiepolo, haben es in mehr als hundert Jahren nicht geschafft, mehr als eine Bedürfnisanstalt in den Gärten zu errichten. Lange Schlangen sind die Folge, und das fördert nun mal nicht gerade eine entspannte Atmosphäre beim Klosteinlutschen.

Noch enttäuschter war ich allerdings, als ich merkte, daß die Biennale auf Klosteine ganz verzichtet hatte. Ich wollte schon der Kunst im gesamten Arrividerci sagen, doch da hörte ich seltsame gluckernde Geräusche aus einer der Kabinen. Kurze Zeit später konnte ich selbst besagte Toilettenkabine aufsuchen und stellte zu meinem Erstaunen fest, daß die Biennaleleiter an einen ungewöhnlichen Service gedacht haben. Sie hatten nämlich direkt neben der Kloschüssel einen Schlauch für Einläufe gehängt, der anscheinend rege benutzt worden war.

Begeistert ob dieser Gelegenheit saugte ich die letzten Fäkalreste von der Schlauchspitze ab und ging dann zufrieden meines Weges. Die Kunst war dieses Jahr auf der Biennale schlecht, die Preise für das Eis zu teuer, aber die Toiletten boten doch etwas Extravagantes. Vielleicht lohnt es sich ja doch, in der Kunstszene reich und berühmt zu werden.

 
 
 
 
 

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Stand: 6. Dezember 2003