Wie werde ich reich und
berühmt?
Eine Frage, die uns alle
öfter beschäftigt als uns lieb ist.
Dabei wollen wir, wenn wir die Wahl haben, lieber
reich als berühmt sein, denn der Ruhm hat ja
auch negative Seiten. Man kann z.B. nicht mehr
ungestört auf Toiletten seine Lieblingsdrops
lutschen.
In der Kunstszene kann man aber
berühmt sein und trotzdem kennt kein Mensch
auf der Straße einen und auf
öffentlichen Toiletten erst recht nicht. Nun
gibt es in der Kunstszene feste Fixpunkte, dort
muß man hinfahren, wenn man eines Tages als
Malerfürst anerkannt sein will. So ein Datum
ist alle zwei Jahre die Biennale in Venedig. Dort
trifft sich zur Eröffnung alles, was Rang und
Namen hat und vor allem die, die dies gern
hätten.
Am beliebtesten sind
natürlich die Gärten mit den
Länderpavillons, weil es sich hier im
Schatten der Bäume besser flanieren
läßt und man die
mittelmäßige Kunst so besser verdauen
kann. Aber auch hier haben die Menschen hin und
wieder ein akutes biologisches Problem, das es
diskret zu lösen gilt. Doch die Italiener,
bekannt für Eis und Tiepolo, haben es in mehr
als hundert Jahren nicht geschafft, mehr als eine
Bedürfnisanstalt in den Gärten zu
errichten. Lange Schlangen sind die Folge, und das
fördert nun mal nicht gerade eine entspannte
Atmosphäre beim Klosteinlutschen.
Noch enttäuschter war ich
allerdings, als ich merkte, daß die Biennale
auf Klosteine ganz verzichtet hatte. Ich wollte
schon der Kunst im gesamten Arrividerci sagen,
doch da hörte ich seltsame gluckernde
Geräusche aus einer der Kabinen. Kurze Zeit
später konnte ich selbst besagte
Toilettenkabine aufsuchen und stellte zu meinem
Erstaunen fest, daß die Biennaleleiter an
einen ungewöhnlichen Service gedacht haben.
Sie hatten nämlich direkt neben der
Kloschüssel einen Schlauch für
Einläufe gehängt, der anscheinend rege
benutzt worden war.
Begeistert ob dieser Gelegenheit
saugte ich die letzten Fäkalreste von der
Schlauchspitze ab und ging dann zufrieden meines
Weges. Die Kunst war dieses Jahr auf der Biennale
schlecht, die Preise für das Eis zu teuer,
aber die Toiletten boten doch etwas Extravagantes.
Vielleicht lohnt es sich ja doch, in der
Kunstszene reich und berühmt zu werden.