TAO SE - COLOUR BLOSSOMS






 
 

Zwischenmoderation:
An diesem Punkt möchte ich gerne von einem Film aus der PANORAMA-Reihe sprechen, den ich euch für die kommenden Tage ankündigen kann, er heißt TAO SE – COLOUR BLOSSOMS.
 
 
 

COLOUR BLOSSOMS ist ein mystischer und erotischer Film aus Hong Kong, ein surreales Kammerspiel zum Thema sexuelle Abhängigkeit.

Der Regisseur und Drehbuchautor YONFAN war bereits 1999 auf dem Berlinale-Panorama mit BISHONEN vertreten, der damals breite Anerkennung fand. Sein COLOUR BLOSSOMS ist der Versuch, kreative Talente aus ganz Asien zu versammeln, um eine neue cinematische Kraft zu bilden, die sich über die Grenzen Hong Kongs hinaus über China, Japan, Korea und Thailand erstreckt. Bei den unterschiedlichen Mentalitäten der einzelnen Völker und auch der oftmals feindseligen Haltungen dieser Nationen zueinander ist dieser Dialog, zumindest auf der Ebene des Films, auch ein Vermittlungsversuch für eine gemeinsame Kooperation dieser Länder.

Wie zu den beiden vorangegangenen Filmen seiner „Peony Pavilion“-Trilogie hat sich Regisseur YONFAN auch zu diesem von einer Oper des chinesischen Dichters und Dramatikers Tang Hsien-tsu inspirieren lassen.


Die Handlung spielt sich ab in einer phänomenalen Kulisse, einem alten Jugendstilappartement aus dem frühen 20. Jahrhundert, und die eigentliche Hauptfigur ist MADAM UMEKI, eine alternde Diva, eine elegante Mischung aus Yma Sumac und Christine Kaufmann mit einem Schuß Joan Collins dazu. Die legendäre japanische Filmschauspielerin Matsuzaka Keiko spielt diese Figur. Ebenfalls aus Japan stammt der männliche Hauptdarsteller des Films, SHO. Seine Rolle als junger Liebhaber KIM allerdings wirkt wie eine reine Nebensache. Dabei kommt es mir so vor, als habe sich Drehbuchautor YONFAN beim Schreiben des Drehbuchs in seine Filmfigur KIM verliebt, aber es gelingt ihm nicht, genügend von seinen Vorstellungen auf die Leinwand zu projizieren, so daß KIM nichts weiter bleibt als eine zweidimensionale Schönheit ohne Charakter oder Seele, der anscheinend auch gar nichts weiter zu tun hat in der Geschichte ... Die drei weiteren Figuren in dieser Fünf-Personen-Konstellation sind die Immobilienmaklerin MEILI, um sie dreht sich die eigentliche Geschichte, dann ist da der attraktive, leicht bösartige und etwas tumbe Polizist Number 4708 (er wird sowohl zum Lover von KIM wie auch von MEILI), und schließlich erscheint da noch eine zweite Version von MADAM UMEKI als junge Frau, genauer gesagt, als Transsexuelle, die aus Liebe zu KIM eine Geschlechtsumwandlung durchführte. Die junge MADAM UMEKI wird von der betörenden Harisu dargestellt, die als erste transsexuelle Schauspielerin Koreas zu Ruhm gelangte.

Ein komplexes Beziehungsgeflecht aus emotionalen Verwirrungen und zeitlichen Verschiebungen entfaltet sich um die Immobilienmaklerin MEILI, die zum zentralen Objekt der Begierde aller wird und sich mehr und mehr in einem sadomasochistischen Verhältnis mit KIM verliert. Der Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart hat jede Bedeutung verloren. Die Lebenden und die Geister der Toten begegnen und verführen sich, beseelt und besessen von der Emotion Liebe. Ein exzellenter Soundtrack mit sinnlichen Gesängen und hypnotischen Klängen umrahmt das Ganze, so daß der Zuschauer fast in ein Delirium taumeln könnte.

Drei Punkte sind jedoch nicht perfekt an COLOUR BLOSSOMS: Zum einen erscheint mir es mir, dass der Versuch, sich mit Sadomasochismus auf filmischer Ebene auseinanderzusetzen, für sogenannte „heterosexuelle Menschen“ immer noch etwas schwierig ist; die eigentlichen SM-Szenen zwischen KIM und MEILI wirken aufgesetzt, ohne jede Spur von Intensität und Sinnlichkeit. Die kurzen Liebesszenen zwischen dem Polizisten Number 4708 und KIM hingegen sind durchaus prickelnd.

Als zweites irritiert mich in der Originalfassung der häufige Gebrauch von englischen Formulierungen. Die Hälfte der Dialoge des Films sind in englischer Sprache, jedoch scheint es sich eher um Sprach-Schablonen und klischeehafte Formulierungen zu handeln. Das Vokabular der englischen Filmsprache offenbart sich als substanzlose Hülse, egal, ob dies nun beabsichtigt war oder nicht. Leider sprechen die Akteure aus den verschiedenen Ländern Asiens alle nicht besonders gut englisch, und selbst der Gesang im Soundtrack weist stellenweise fatale Fehler auf, an einer Stelle zum Beispiel kommt die Zeile „the blood is running through my veneth“ vor ...

Das dritte Manko ist der Punkt: Regisseur YONFAN hätte hier eine opulente sinnliche und moderne Geschichte im Weltgeist der Sinnlichkeit erzählen können, doch was am Schluß dabei heraus kommt, ist die klassische Vermengung von SEXUALITÄT und TOD. Die Hedonisten und Sanguiniker in dieser Welt sind bereits tot, oder es erwartet sie ein tragisches Schicksal. Lediglich als eine kurze Andeutung erfahren wir am Schluß die Aufklärung aller Rätsel, etwas zu plötzlich und unerwartet, dabei hätte ich persönlich gar keine Erklärung benötigt. Eine stimulierende Unterhaltung ist COLOUR BLOSSOMS allemal.

 


 
return to the catharsis of the emotionally untouchable index revue


Stand: 13. Februar 2005