Was streiten sich doch die klugen
Geister von Welt, wie es um die Klosteinkultur
in Berlin steht! Ja, nichts scheint die
Bewohner und Besucher, selbst jene, die auf
fernen Kontinenten leben und niemals nach
Berlin gekommen sind und kommen werden, mehr
zu beschäftigen als die Frage, ob man
Berlin noch eine Klosteinmetropole nennen darf
oder nicht. Dabei gibt es doch wahrlich
dringlichere Themen, wenn man über die
Ansiedlung an Spree, Panke und Havel
redet.
Nun, man kann
sagen, Berlin war einstmals im
deutschsprachigen Raum die führende
Klosteinmetropole schlechthin. Zahlreiche
Bürger kamen nur, um die legendären
Steinchen in den Toilettenanlagen vom
wunderschönen Strandbad Wannsee zu
vernaschen, und das Hansa-Viertel wäre
vollends in einen Dornröschenschlaf
verfallen, hätte dort nicht ein
bourgeoiser Stifter, der über Jahrzehnte
anonym geblieben ist, nächtens in der
öffentlichen, und daher der allgemein
jederzeit zugänglichen WC-Einrichtung
diese wunderbaren selbstgemachten, im Mund so
herrlich knisternden azurblauen Klosteine in
die Becken gelegt.
Und wer erinnert
sich nicht an den beliebten Höhepunkt
einer jeder Stadtrundfahrt, als man zusammen
mit den Freunden des Kegelvereins die
Klosteine der Urbanklappe gelutscht hatte und
die nachströmenden japanischen Touristen
mit gefälschten Steinen neckte.
Auch der Osten
bot einiges an Erlebnissen. Unweit der
Altberliner Bierstuben am Senefelder Platz
sorgte man sich um den Kenner mit Würfeln
aus Bitterfeld und die legendäre
Einrichtung am Neuen Tor überzeugte mit
stündlichem Nachschub durch die nette
Dame aus dem Heizungskeller.
Doch ach, es ist aus und vorbei. Die
Freudenspender an der Urbanstrasse und am
Neuen Tor sind abgerissen, andernorts sind sie
geschlossen und dort, wo man noch auf offene
Türen trifft, wird kein einziges
Duftsteinchen mehr nachgeworfen.
Was bleibt sind
die privaten Einrichtungen, in Kneipen, Bars
und Restaurants. Aber auch dort wird Berlin
seinem ehemals hervorragenden Ruf als
Klosteinmetropole nicht mehr gerecht. Immer
mehr Wirte verzichten auf die rosafarbenen,
grünen oder blauen Köstlichkeiten
und die Kegelbrüder kommen
desillusionisiert von den rückwärtig
gelegenen Einrichtungen der gastronomischen
Versorger der neuen deutschen Hauptstadt.
So bleibt Ihrem Klosteinreporter
nichts übrig, als nun, zum
fünfjährigen Jubiläum des
Schlampenreports, Abschied von seiner
Hörerschaft zu nehmen. Ich würde
mich freuen, wenn Sie in Zukunft auf
Mittelwelle meine Berichte auf dem Kulturfunk
Hildesheim verfolgen würden.
Es grüsst Sie, Ihr Hyazinth
Ebner.