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(Januar 2008)


 
 
 
 
 
Was streiten sich doch die klugen Geister von Welt, wie es um die Klosteinkultur in Berlin steht! Ja, nichts scheint die Bewohner und Besucher, selbst jene, die auf fernen Kontinenten leben und niemals nach Berlin gekommen sind und kommen werden, mehr zu beschäftigen als die Frage, ob man Berlin noch eine Klosteinmetropole nennen darf oder nicht. Dabei gibt es doch wahrlich dringlichere Themen, wenn man über die Ansiedlung an Spree, Panke und Havel redet. 

Nun, man kann sagen, Berlin war einstmals im deutschsprachigen Raum die führende Klosteinmetropole schlechthin. Zahlreiche Bürger kamen nur, um die legendären Steinchen in den Toilettenanlagen vom wunderschönen Strandbad Wannsee zu vernaschen, und das Hansa-Viertel wäre vollends in einen Dornröschenschlaf verfallen, hätte dort nicht ein bourgeoiser Stifter, der über Jahrzehnte anonym geblieben ist, nächtens in der öffentlichen, und daher der allgemein jederzeit zugänglichen WC-Einrichtung diese wunderbaren selbstgemachten, im Mund so herrlich knisternden azurblauen Klosteine in die Becken gelegt. 

Und wer erinnert sich nicht an den beliebten Höhepunkt einer jeder Stadtrundfahrt, als man zusammen mit den Freunden des Kegelvereins die Klosteine der Urbanklappe gelutscht hatte und die nachströmenden japanischen Touristen mit gefälschten Steinen neckte.

Auch der Osten bot einiges an Erlebnissen. Unweit der Altberliner Bierstuben am Senefelder Platz sorgte man sich um den Kenner mit Würfeln aus Bitterfeld und die legendäre Einrichtung am Neuen Tor überzeugte mit stündlichem Nachschub durch die nette Dame aus dem Heizungskeller. 
Doch ach, es ist aus und vorbei. Die Freudenspender an der Urbanstrasse und am Neuen Tor sind abgerissen, andernorts sind sie geschlossen und dort, wo man noch auf offene Türen trifft, wird kein einziges Duftsteinchen mehr nachgeworfen. 

Was bleibt sind die privaten Einrichtungen, in Kneipen, Bars und Restaurants. Aber auch dort wird Berlin seinem ehemals hervorragenden Ruf als Klosteinmetropole nicht mehr gerecht. Immer mehr Wirte verzichten auf die rosafarbenen, grünen oder blauen Köstlichkeiten und die Kegelbrüder kommen desillusionisiert von den rückwärtig gelegenen Einrichtungen der gastronomischen Versorger der neuen deutschen Hauptstadt.

So bleibt Ihrem Klosteinreporter nichts übrig, als nun, zum fünfjährigen Jubiläum des Schlampenreports, Abschied von seiner Hörerschaft zu nehmen. Ich würde mich freuen, wenn Sie in Zukunft auf Mittelwelle meine Berichte auf dem Kulturfunk Hildesheim verfolgen würden.

 

Es grüsst Sie, Ihr Hyazinth Ebner.
 


  
 
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Stand: 11. Januar 2008