SCHLAMPENREPORT DELUXE
- ein Portrait -

(Januar 2012)
 
 
 
 



 
 
 
 
 

"...- das ganze tolle Gelärm von ich weiß nicht welcher Geschwindigkeitsfabrik. Man ist trunken
                                    von wirbelnden Spukgestalten, von ins Nichts vergossenem Schauen, von fortgerissenen
                                    Lichtern. Wie die Fahrt im Dunkeln das Metall schmiedet, träumt man, die Zeit in Person schlage
                                    brutal auf die harte und tiefe Entfernung ein und zerstücke sie. Überreizt, zusammengestaucht
                                    von Misshandlungen, erzeugt das Hirn aus sich selber und ohne es zu wissen notwendigerweise
                                    eine ganz moderne Radioshow ..."
- (in etwa) Paul Valery

 
 
 
Der SCHLAMPENREPORT DELUXE ist eine Radioshow ungewöhnlicher Art. Rein von der Form und dem Stil her knüpft sie nahtlos an die Zeit der großen Unterhaltungssendungen von Peter Frankenfeld und Kuli (besondere Anmoderationen der einzelnen Musikstücke und Textbeiträge sowie salbungsvolle Zwischenmoderationen und kleine Sketche). Inhaltlich im herben Kontrast dazu stehen die geistig niveauvollen Textbeiträge (das Spektrum rangiert von tiefgründiger Film-, Theater- oder Buchkritik über nachdenkliche Analysen des aktuellen Zeitgeschehens, satirischen Glossen bis hin zu politisch engagierter Systemkritik, auch Kritik an Strukturen und Phänomenen innerhalb der Schwulen-, Lesben und Transgenderszene).

In jenem ominösen "SCHLAMPENREPORT" (einem an die TV-Kulturmagazine Alexander Kluges angelehnten akustischen Wurmfortsatz des Hyperinformativismus) bekommen die ZuhörerInnen und -Außen alles das zu hören, was sie normalerweise bei Queer Live (früher Radio Knackpunkt), Rainbow City, Transgenderradio oder bei sonstirgendeiner Sendung auf ALEX (dem Offenen Kanal Berlin) nicht zu hören bekommen. Unser Anspruch ist, dem gängigen Infotainment unserer heutigen Zeit etwas in höchstem Maße Abartiges entgegenzusetzen. 

Unser normaler Sendetermin ist Sonntags alle zwei Wochen um 19.00 Uhr (die nächste Sendung wird am 5. Februar 2012 ausgestrahlt). Und im Studio befinden sich außer mir – zugegebenermaßen eher selten in letzter Zeit - noch zwei weitere Hochleistungsschlampen, nämlich mein besonderer Co-Moderator Nicolas Šustr sowie ein Gaststar. Letztens zum Beispiel war es Detlef aus Detmold, davor übrigens Detlef aus Neukölln, doch waren auch schon andere Menschen mit anderen Vornamen bei uns zu Gast, zum Beispiel Riki Rules und Pyro. Aber auch echte Stars wie Dolly Buster und Jan Feddersen gaben sich dazu bei uns schon die Klinke.

 

 
 

Im Mittelpunkt der Sendung steht das zentrale Diskussionsforum „Schlampenquasseln“, in welchem Moderator und Hauptverantwortlicher Daniel Emerson Aldridge und Co-Moderator Nicolas Šustr höchst galant die symbolische Galatreppe ins Hörfunkstudio Eins des Offenen Kanals Berlin herab schreiten, um mit ausgesuchten Spezial- und Stargästen über entscheidende philosophische und politische Probleme zu diskutieren, welche in der „moderateren“ schwullesbischen Medienlandschaft gerne unter den Tisch fallengelassen werden.


Einschub:

Einige der Themen, die wir schon behandelten, sind zum Beispiel: "Verhindert die Schwulenbewegung den dritten Weltkrieg?" – „Sind Schwule verrückt?“ – „Hat uns etwa die NATION auf ihr primitives, gemeines Niveau heruntergezogen?“ – „MODERN oder POSTMODERN ??? - Diskussionsfähigkeit und interdisziplinärer Diskurs im hyperinformativistischen Kontext auf der Suche nach Relevanz und Resultat – als Streben zur Vermeidung von Substanzverlust und Anspruchslosigkeit“ – „HEY, DIE NEUEN KONTAKTLINSEN SIND ECHT STARK!“ - „BALD KOMME ICH RICHTIG GROSS ‘RAUS!“ oder gar„DER HERBSTSTURM MACHT MICH ZUM PARTYLÖWEN!“

 

 

Ein weiterer besonderer Aspekt des Schlampenreports sind die mehrteiligen Spezialsendungen. So wurde zum Beispiel 2003 eine umfassende Gedenksendung zum 20. Todestag von Klaus Nomi gesendet in drei Teilen à 60 Minuten.


Besondere Höhepunkte im Jahre 2004 waren die Spezialsendungen zum 20. Todestag von Michel Foucault und zum 150. Geburtstag von Arthur Rimbaud sowie der ebenfalls dreiteilige Akustikessay „Insel der Verlorenen Wünsche“ im November und Dezember 2004 zum Thema „Coming Out im Wandel der Zeit“.

Oktober und November 2005 erfolgte im Rahmen der Sendereihe SCHLAMPENREPORT DELUXE die Ausstrahlung der dreiteiligen Sondersendung "NOWHERE MAN MEMORIES" (Stereoskopie und Anamorphotik unter den Gesichtspunkten von Textilfreiheit und Revolutionismus - eine antibiographische Revue) ... 



Ebenfalls 2006 gelangte als besonderes Spezial eine vierstündige Hörspielfassung des Marionettenmusicaltheaterstücks "FURIAN STURMLÖFFEL" als Extended Remix mit zusätzlichen Szenen und Musikstücken zur Ausstrahlung, ebenso ein Jean-Genet-Spezial anlässlich seines 20. Todestages, des Weiteren zum ersten Mal die ungekürzte Fassung des YMA-SUMAC-Beitrags "Alte Hüte rosten schlecht".

Am 26. September 2006 wurden außerdem die zwei Beiträge "Schlampenexistenzgründung" und "Piraten!" im Rahmen des Festivals "radioREVOLTEN - Festival zur Zukunft des Radios" in Halle (veranstaltet von CORAX) auf der Festivalfrequenz 99,3 MHz ausgestrahlt.


Im Jahr 2007 erfolgten u. a. drei Schlampengedenksendungen: 

Gedenksendung zum zehnten Todestag von William Seward Burroughs am 2. August

Gedenksendung zum zehnten Todestag von Lady Diana Spencer Tracy am 31. August

Gedenksendung zu Theodor W. Adorno (kein besonderes Jubiläum notwendig)


Höhepunkte 2008: Zweiteilige Hörspielsatire „WELTREGIERUNG AKTUELL!“ über das plötzliche Ausbrechen von Frieden auf der Erde sowie der Beitrag „DAS MENSCHLICHE SEXUALLEBEN“ unter Verwendung des gleichnamigen Vortrags von Siegmund Freud – ungekürzt und unzensiert (dieser Beitrag erschien übrigens einem meiner wenigen Zuhörer leicht anrüchig, was mich nur bestärkt, mit weiteren kontroversen thematischen Exkursionen zum Thema fortzufahren, selbstverständlich lediglich und ganz und gar im Geiste einer Suche nach dem verlorenen Zeitalter der Aufklärung, versteht sich … )


Außerdem bekamen wir im Frühling 2009 für kurze Zeit Zuwachs: Unser Mikrophonkind Jule!  Der Nürnberger im Berliner Exil berichtete über neue musikalische Besonderheiten, dies in Form eines Interviews mit der Band BONAPARTE. Leider ist er ein vielbeschäftigter Junge, daher blieb seine Kolumne ein einmaliges Ereignis ...

Was die Sendungen im Sommer 2009 betrifft (die unter dem Titel "MEINE ERSTE GROSSE SOMMERLIEBE" präsentiert wurden): Hier handelte es sich um eine besonders persönliche Aufarbeitung der Entwicklung meiner eigenen musikalischen Präferenzen, von den siebziger Jahren bis hin zur Gegenwart - eine Geschichtsschreibung der anderen Art.

In den Jahren 2010 und 2011 dominierten literarische und poetische Reflexionen vor allem moderner Künstler wie Rilke, Kleist, Hölderlin oder Klopstock, unterbrochen von gelegentlichen Wiederholungen beliebter klassischer Beiträge. Nicht zu vergessen die diversen Trauergesänge für Amy Winehouse, Peter Alexander, Elizabeth Taylor, Sabine Roos, Bernd Clüver, Jamie Rodemeyer oder Friedrich Schoenfelder.



Geplant für 2012: Siebzehnteiliger Conceptsoundzyklus „SCHLAGLICHTER EINES LOTTERLEBENS oder Vom geheimen Wunsch des bacchantischen Babypros nach dem telepathischen Biographen“. Was sich hierbei inhaltlich äußern wird, sind ernste (fast altmodische) Themen: Wenn ich heutzutage vom „Comeback“ der Disziplin lesen muss, drängt sich mir just die Vorstellung vom demnächst anstehenden Rohrstock-„Revival“ auf. Darüber hinaus wird es also ein satirisches Kapitel geben mit Schwerpunkt auf eine bislang fiktive GEGENBEWEGUNG zum „Wilhelm-von-Humboldt-Revival“ und der Lehre von den „human relations“ (noch eine Seite vor Humboldt in meinem dtv-Lexikon ...) ... Ein weiterer Ansatz hierfür ist noch, JUGEND und KULTUR wieder zusammenzubringen, aber das ist ja ein ganz heißes Eisen.


An das anarchisch Absurde der legendären Anfangsphase im Jahre 2003 erinnern heutzutage noch die gelegentlichen Wiederholungssendungen - auch wenn sich die heutige Struktur und die damalige Konzeptlosigkeit mittlerweile voneinander abgrenzen.


Für eine der über-, übernächsten Sendungen plant die Redaktion hingegen eine Spezialsendung zum Thema "SCHWULSEIN IM HAUSHALT", danach u. U. die Soundcollage „Liebeserklärung an den unbekannten Schüler aus der Parallelklasse".


Fortsetzung des Hauptteils:

Ganz wichtig! - ... Es erwartet uns in Bälde auch ganz regelmäßig ein Beitrag aus der Rubrik „Kulturfunk auf Mittelwelle Hildesheim“, ein Spin-Off der mittlerweile eingestellten Rubrik „Duftsteinfront“ unseres Auslandskorrespondenten Hyazinth Ebner (der sich ja damals im Rahmen seiner erweiterten Feldforschung zum Thema „Klosteine in Szenekneipen“ eigens an die absurdesten Orte begeben hatte, wie zum Beispiel das inzwischen leider nicht mehr existierende Wowereiz oder in die Städte Wien, Johannisburg, Venedig, Vielsiehiehof oder Madrid).


Ein weiterer entscheidender Punkt unseres Konzepts ist die Musikauswahl, die sich in zwei Ketegorien aufgliedern lässt:

A. Unser Musikredakteur DJ Kai Piranha spielt nur Musik von Leuten, deren Vor- oder Nachnamen mit „Sch“ anfangen.

B. Ausnahmen wie Klaus Nomi (ein Sänger, dessen Name mit N bzw. mit K anfängt), Reinhard Mey, Paris HiltonRoland KaiserAuberge de Jeunesse KyotoNena oder David Bowie können zur „Schlampe ehrenhalber“ ernannt und danach ebenfalls gespielt werden.

C. DJ Kai Piranha legt ansonsten undefinierbaren Strangecore auf und stellt – ganz so wie Tuffy, das verflixte siebte Ich – ein weiteres anderes Ich meiner selbst dar.

Übrigens akzeptieren wir für unsere HOMOLETTEN-GLÜCKWUNSCHKLANGBOX jederzeit gerne Musikwünsche für die Kategorien A und B.


Am Radio ist mit mir wichtig, dass es im Gegensatz zum Fernsehen keine Realität vorschreibt sondern durch das Hören eine Art „spekulatives Sehen“ hervorruft, das weder durch die Zweckrationalität des Optischen noch durch Konventionen und besorgte Bedürfnisse des Alltags verstellt ist. Die Zukunft des Radios besteht auch darin, der Diktatur des Visuellen entgegenzutreten, die einen so schrecklich funktional macht; ergo: die Dysfunktionalität des Menschen soll zu ihrem Recht kommen!

Zu  meiner Radioshow möchte ich noch hinzufügen, dass ich sicherlich ein Einzelgänger und Sonderling bin, aber trotzdem – wenn auch momentan nicht auf der Suche danach – den Wunsch nach weiteren, neuen Mitstreitern hege. Etwas frisches Blut mit neuen Ideen kann nicht schaden! 


 

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Stand: 24. Januar 2012