JOHANNESBURG

(Februar 2003)


 
In Hillnbrow in Johannesburg gibt es die traditionsreiche Pretoriastreet, in den 80ern Zentrum der Homoszene von Johannesburg.

Hochhäuser säumen die Straße, und am späten Abend bieten Frauen mit unglaublichem Steiss am Straßenrand Eier, Ketten und frisch gemachtes Essen an. Im offenen Supermarkt gibt es kein Bier oder andere Alkoholika zu kaufen. Auf der Straße tummeln sich die gutgebauten jungen schwarzen Männer, von denen in Berlin so mancher Zahnarzt träumt.

Aber wo nur Schwarze sind, wird man in Johannesburg keine Weißen finden, oder ist dieses Gesetz für die Homoszene nicht gültig? Ich mache mich auf die Suche nach der Kneipe Connections. Hier soll es laut Internet sogar Cruising geben. Die Schwarzen starren mich wie ein Weltwunder an: ein Weißer nachts in ihrem Viertel! Da, endlich treffe ich auf zwei andere weiße Frauen. aber es stellt sich sofort heraus , dass es sich nur um Nutten handelt. Endlich, am Ende der Straße entdecke ich das Connections, im ersten Stock eines heruntergekommenen Hochhauses.

Michael Jackson ist zu hören, und vor der Bar sitzen die zwei fetten weißen Nutten von gerade eben. Ein einsamer Zahnarzt mit dickem Bierbauch und Vollglatze aus Berlin-Wilmersdorf dreht seine Runde. Die Jungs, die alle um diese Uhrzeit eigentlich ins Bett gehören, warten nervös, wen der Zahnarzt auswählt.

Das Bier, es schmeckt nach Babypisse. Kein Wunder, es ist auch ein Import aus den USA. Gerade mal einen Euro kostet es. Trotzdem ist keiner betrunken. Das Klo suche ich gar nicht erst auf, setze mich ins Taxi und bitte darum, in eine weiße Gaybar gefahren zu werden. Dort angekommen, fühle ich mich wie Zuhause in Friedrichshain: die Busche lebt auch in Johannesburg.

Auf dem Klo aber gibt es keine Toilettenfrau, und die Klosteine haben wahrscheinlich schon die anderen aufgelutscht. Auf der oberen Tanzfläche spielen sie Alphaville.

 
 

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Stand: 16. Mai 2005