Wie fühlt
sich eigentlich ein Klostein, wenn er den
halben Tag einsam und allein in einer kalten
Porzellanschale liegen muss, ohne soziale
Ansprache, ohne Interaktion, wenn er zwar
seine Aufgabe erfüllt, zu duften, aber es
kein Mensch zu würdigen weiß
?
Nein, so ein Klostein, egal ob
rosa, gelb der blau, wird erst richtig
glücklich, wenn die Kneipe die
Türen öffnet und die Männer
zum Urinal treten, um mit dickem Strahl ihr
Wasser abzulassen.
Sicher, so manchen Klostein mag es
ärgern, wenn die Kerle dann mit ihrem
Urinstrahl schöpferisch tätig
werden und den Klostein zu formen suchen,
indem sie ein Loch hineinpinkeln wollen oder
eine Ecke abzurunden versuchen.
Doch es macht sie auch stolz,
für einige Sekunden die Aufmerksamkeit
betrunkener Herren einzunehmen, auch wenn es
sie zerstört, schneller als geplant.
Aber ist es nicht das, was einen
Klostein wirklich glücklich macht, zu
zerbrechen, zu schrumpfen, zu bröckeln,
um einen Duft von Chlor und Heidekraut auf
jedes Urinal zu zaubern ?
Klosteine haben es nicht leicht,
erst liegen sie rum, dann werden sie
zerpisst, aber doch können wir sagen,
sie haben vermutlich eine tiefere innere
Zufriedenheit über diesen Zustand als
wir mit unseren kleinen Alltagsproblemen.