PHILOSOPHISCHE
BETRACHTUNGEN

(November 2006)


 

 
 
 

Wie fühlt sich eigentlich ein Klostein, wenn er den halben Tag einsam und allein in einer kalten Porzellanschale liegen muss, ohne soziale Ansprache, ohne Interaktion, wenn er zwar seine Aufgabe erfüllt, zu duften, aber es kein Mensch zu würdigen weiß ? 

Nein, so ein Klostein, egal ob rosa, gelb der blau, wird erst richtig glücklich, wenn die Kneipe die Türen öffnet und die Männer zum Urinal treten, um mit dickem Strahl ihr Wasser abzulassen.
 

Sicher, so manchen Klostein mag es ärgern, wenn die Kerle dann mit ihrem Urinstrahl schöpferisch tätig werden und den Klostein zu formen suchen, indem sie ein Loch hineinpinkeln wollen oder eine Ecke abzurunden versuchen. 

Doch es macht sie auch stolz, für einige Sekunden die Aufmerksamkeit betrunkener Herren einzunehmen, auch wenn es sie zerstört, schneller als geplant.
 

Aber ist es nicht das, was einen Klostein wirklich glücklich macht, zu zerbrechen, zu schrumpfen, zu bröckeln, um einen Duft von Chlor und Heidekraut auf jedes Urinal zu zaubern ? 

Klosteine haben es nicht leicht, erst liegen sie rum, dann werden sie zerpisst, aber doch können wir sagen, sie haben vermutlich eine tiefere innere Zufriedenheit über diesen Zustand als wir mit unseren kleinen Alltagsproblemen. 


 

Hyazinth Ebner



 

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Stand: 11. November 2006