Meine lieben Zuhörer, heute
geht es um - die heterosexuellen
Männer. Bitte, bitte (!) - das ist kein
Grund, abzuschalten ... Es ist gar nicht so
schlimm, wie ihr denkt, und es ist auch
nicht so, als ob uns Schlampen das nichts
anginge. Für den einen oder die andere
ist es vielleicht sogar neu und interessant,
denn diese Thesen stammen aus der linken
Szene von Marburg, einem erstaunlichen
Städtchen – dort wird viel studiert ...
Ich formuliere den Artikel "Zehn
Thesen zum Selbstverständnis
eines linken Männerplenums" (entnommen
der Zeitschrift "Marburg Virus 20", S. 27
ff, erschienen 1991) verkürzt im
Eigenbau:
Sehen wir uns einmal die
Unterschiede zwischen Männern und
Frauen an. Eigentlich haben sie nur geringe
Bedeutung, verglichen mit ihren
Gemeinsamkeiten. Geschlechtertrennung,
Geschlechterkampf und Geschlechterkrampf
sind sozialgeschichtlich gemacht und sollten
überwunden werden wollen
Für die zwischenmenschlichen
Kontakte egal welcher Art, sei es vom miteinander-in-die-Kiste-Springen
über die Vorlesung und das gemeinsame
Trinken bis hin zum Gummitwist-Spielen,
bedeutet das, daß es im Prinzip egal
sein kann, ob die Personen, mit denen ich
das mache, nun zufällig Männer
oder Frauen sind.
Die heterosexuellen Männer
haben keinen schwulen Sex. Aber mindestens
80% aller Männer würden
regelmäßig mit anderen
Männern ins Bett gehen, wenn es nicht
so schrecklich verpönt oder
unschicklich oder uncool wäre - das
heißt im Klartext immer noch VERBOTEN
! --- (steht bei den modernen
Sexualforschern zu lesen...). Daß die
sogenannten Hetero-Männer so wenig
schwulen Sex haben, ist ein großes
Defizit für die Gesellschaft - das
gleiche gilt für Frauen.
Weil 80% aller Männer zwar
Lust dazu haben, es sich aber nicht
eingestehen, müssen sie zumindest die
Hälfte ihrer Sexualität,
nämlich die gleichgeschlechtliche
Seite, in Ersatzhandlungen ausleben: siehe DMAX! Diese Ersatzhandlungen sind
pervers und zwanghaft, und sie bilden das
eigentliche Grundgerüst unserer
gegenwärtigen Gesellschaftsform, die
von einigen Patriarchat genannt wird. Wenn
die Männer einfach miteinander
vögeln würden, wenn ihnen danach
zumute ist, und nicht erst nach 14 halben
Litern Bier zunächst mal mit einem
Zungenkuß anfangen, wäre das
Leben für uns alle vielleicht viel
angenehmer - für mich natürlich
sowieso.
Es ist nicht unsere Absicht, den
Frauen die Männer auszuspannen - dann
hätten wir den Salat mit den Komplexen
der Männer nur umgekehrt.
Aber ich glaube, es ist dringend
notwendig, daß Männer ihren Bezug
zueinander und aufeinander erkennen und
diese Tabus darin erkennen und durchbrechen.
Vielleicht sollten sie einmal versuchen, in
einem "frauen-freien" Umfeld zu leben und
auf ihre Gefühle zueinander achten.
Dieser Vorschlag ist übrigens bei
weitem nicht als Angriff gegen
Sexualität mit Frauen gerichtet. Es ist
kaum vorstellbar, wohin die sexuelle
Befreiung des nur angeblich heterosexuellen
Mannes führen könnte! Nun soll
dies kein Anlaß sein, bei jedem
jugendlichen Besucher eines
Bonaparte-Konzerts in missionarischen
Bekehrungseifer zu verfallen! Aber
vielleicht gefallen euch diese Thesen ja,
vielleicht möchtet ihr mehr hören,
vielleicht könnt ihr mit Leuten
darüber reden.
Und das geht dann, wenn Denken und
Fühlen nicht Gegner voneinander sind. Is the camera
rolling, Mr. Chefintendant of DMAX? I'm
ready for my close-up ...