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DEALER
(zur Moderation eine
Hintergrundmusik von Rashad)
Der zweite Film, über den ich berichten möchte, ist ein ungarischer Film namens DEALER, der eine Länge von 160 Minuten hat. Der Regisseur des Films heißt Benedek Fliegauf. Wenn ihr also den Namen mal zufällig irgendwo lest als Angabe von Regisseur oder Drehbuchautor von anderen Filmen, könnt ihr da hingehen und euch das ansehen, was der vielleicht sonst noch so gedreht hat. Benedek Fliegauf ist auch leicht zu merken. Aber warum schwärme ich so von diesem Film? Sicherlich nicht deshalb, weil er so lang ist. Doch, ich schwärme von langen Filmen, ich liebe sie. Weil sie sich Zeit lassen. Mir wird dabei nicht langweilig, im Gegenteil, ich tauche bald völlig ein in diese andere Welt. Ich genieße diese Ausgiebigkeit, sie steht schließlich im eklatanten Widerspruch zur Rasanz des modernen Kinos. Der Grund, warum ich DEALER mag, ist allerdings nicht allein die Negation dieser modernen Schnelligkeit des Erzählens. Den Rausch finde ich auch in sogenannten „langsamen“ Filmen. Bei DEALER läuft fast jede Szene in Echtzeit ab. Allein am Anfang schon erscheinen die Buchstaben des Filmtitels sehr langsam aus dem Dunkel. Es folgt eine ausführliche Schilderung der einzelnen Stationen des letzten Tages im Leben eines Drogendealers. Allerdings finden die Ereignisse bereits in einer äußerst irreal anmutenden Atmosphäre an, so daß ich mich fragen muß, ob der Dealer nicht bereits tot ist, und wir seine betörende Reise durch eine Art Zwischenwelt vor dem Tod als Rückblende auf das Leben wahrnehmen, und alle Figuren, denen er begegnet, Engel oder Chimären sind. In blaugrünen Farbtönen gehalten, in langen Szenen voller Ruhe und doch hypnotischer Intensität, erlebt der Drogendealer seine dramatischen letzten Augenblicke. Die SCHLÜSSELERLEBNISSE seines Lebens finden allesamt am letzten Tag seines Lebens statt und werden von den sonderbaren, zombiehaften Geistern noch einmal ins Leben gerufen: sein Freund bittet den Dealer um den Tod per Goldenem Schuß - sein Leben kann sich endgültig zum Positiven wenden, denn er will aufhören mit dem Dealen – er erfährt, daß er eine Tochter hat – sein Vater trauert immer noch um die tote Mutter – eine Begegnung mit dem Tod findet statt. Das Ende des Weges kündigt sich bereits in der Mitte des Films an. Jedoch allegorisch allein funktioniert der Film nicht: Der Moment, als ein Mann mit seinen Kindern am Strand nach einem Schatz gräbt, stellt die schwächste Szene dar. Die unheimliche Grundstimmung des Films zieht den Zuschauer in ihren Bann, geprägt von der Auswegslosigkeit der Lage der Lebenden, der Lage der Menschen, die ihr Leben zerstört haben, lange bevor ihr Leben eigentlich zu Ende ist, und trotzdem an irgendetwas festhalten. Man weiß nicht, woran. Auch im Falle des Dealers nicht. Die grandiose Schlußszene: ein dünner Streifen Ultraviolett entschwindet sehr langsam in unendliche Schwärze. Für den Regisseur Fliegauf spielt diese Geschichte nicht in Budapest, wo der Film entstand, sondern in einer imaginären Stadt mit einer besonders spirituellen Atmosphäre. Dieses Nekropolis ist der eigentliche Protagonist des Filmes. DEALER ist der zweite Spielfilm von Fliegauf, der von sich sagt: „Egal an welchem Bereich des Filmemachens ich bislang beteiligt war, ich habe mich immer auf die Menschen konzentriert, die versuchen, ihren Weg in der Dunkelheit zu finden.“ Das
Farbenfroheste am ganzen Film ist das Kinoplakat
von DEALER: Ein wunderschöner
riesengroßer Fliegenpilz, der davonfliegt,
während der Dealer und seine Tochter ihm
staunend nachblicken.
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