Es war harter Tobak, was Sascha
Storz da in 160 Zeichen mitteilte: "Ich traf
ihn in einer Bar. Er sei Geschäftsmann.
Wie mein Vater. Ich ging mit auf sein
Zimmer. Er fickte mich. Wie mein Vater. Aber
für 100 Mark. Ein Fortschritt."
Die kleine, schwule, zynische
Story, verbunden mit einem Missbrauchsmotiv,
überzeugte die Jury des ersten
SMS-Literatur-Wettbewerbs im vergangenen
Jahr restlos. Der 35-jährige
Münchner, der diesen Beitrag eingesandt
hatte, erhielt den mit 480 Mark (235 Euro)
dotierten ersten Platz, zusätzlich
sprang für ihn ein Autorenvertrag mit
einem Mindesthonorar von 1.600 Mark (818
Euro) heraus. Storz, der als Psychologe
arbeitet, fand die Idee, in einem so kurzen
Text möglichst viel an Geschichte
unterzubringen, interessant und spannend.
"Prinzipiell versuche ich in Texten, die ich
schreibe, Gefühle und Intensität
zum Ausdruck zu bringen. In 160 Zeichen
jedenfalls wird schnell offenbar, ob das
Werk gelungen ist. Es kann keine schwachen
Passagen geben, die durch starke
ausgeglichen werden, kein Drumrum um die
Idee, keinen Firlefanz." Es geht ihn um
unmittelbare Wirkung, was ihm ja auch
gelungen ist.
Derzeit werden wieder neue
Beiträge für die zweite Runde
gesammelt. Da es bei der Eingabe und
Bearbeitung der Wettbewerbsbeiträge
unerwartete technische Schwierigkeiten gab,
finden die Auswertung und Jurierung einige
Wochen später statt – die GewinnerInnen
werden erst in wenigen Wochen bekannt
gegeben. Wieder winken Preisgelder in den
drei Kategorien "Angst", "Eifersucht" und
"Lust" in der Höhe von 16 bis 160 Euro.
Der Düsseldorfer Uzzi-Verlag, der den
Wettbewerb veranstaltet, plant, die besten
Beiträge anschließend in einem
Buch zu veröffentlichen.
Ursprünglich war die Funktion, per
Handy Textnachrichten zu versenden, als
nüchterne Anwendung für
Geschäftsleute gedacht. Inzwischen ist
das Verschicken von SMS-Nachrichten ein
wahrer Volkssport, der "Kultur der
Kurznachricht" wolle der Verlag Rechnung
tragen.